Werkstoff Graphen: Der hauchdünne Wunderstoff, der sich selbst aufheizt

read more Er ist hauchdünn, härter als Stahl, und wenn man Spannung anlegt, heizt er sich auf: Gra-phen könnte eine ganze Reihe von Industrien revolutionieren. Gut, dass dabei auch deut-sche Unternehmen mitmischen – zum Beispiel ein Startup aus Bayreuth.

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Deutschland ist ein Land mit einem hohen Lebensstandard und hohen sozialen Ansprüchen. Jüngste Belege dafür sind die Ein-führung der Mütterrente und die Rente mit 63 Jahren. Viele, vor allem die, die den harten Wettbewerb der Globalisierung spüren, stellen sich die Frage, ob wir uns auf diesem hohen Niveau auf Dauer werden behaupten können. Belasten wir nicht die junge Generation zu stark?

article source Um auf diesem Niveau weiter mitspielen zu können, muss unse-re Wirtschaftskraft auch künftig ausreichen, die gewaltigen Auf-wendungen nachhaltig und solide zu finanzieren. Dazu wird es notwendig sein, weiter genügend Innovationen hervorzubringen, mit denen wir auf den Weltmärkten punkten und uns von ande-ren Volkswirtschaften abheben können.

click here Deutschlands Antwort auf das Silicon Valley 

see more Sicherlich werden wir darauf bauen müssen, dass unsere großen Unternehmen und die vielen mittel-ständischen Familienunternehmen, darunter eine große Anzahl an Hidden Champions, auch in Zu-kunft neue Produkte und neue Dienstleistungen entwickeln. Zudem ist es aber notwendig, noch viel mehr als in der Vergangenheit auf junge, dynamische Unternehmen zu setzen: Start-ups, wie man sie nennt. Deutschland verfügt zwar über kein Silicon Valley, das uns mit seiner unglaublichen Dynamik und seinem Erfindungsreichtum immer wieder in Staunen versetzt, aber wir haben auch hier an Or-ten, wo wir das nicht ohne weiteres vermuten, beeindruckende neue Ansätze.

check this out Innovationen in die Welt zu bringen, ist ein Stück harte Arbeit. Der Weg von der Idee zum Produkt kann steinig sein, und es reicht nicht, dass Deutschland sich gerne als das Land der Ideen bezeichnet. Wir müssen uns auch energisch um die Umsetzung dieser Ideen in Innovationen und damit in Um-satz, Profit und Arbeitsplätze bemühen.

Schneller, kleiner, energieeffizienter  http://gordijnateliersusanne.nl/maps18

Ein solches junges Unternehmen, das in jüngster Zeit Furore gemacht hat, ist beispielsweise in Bay-reuth angesiedelt. Es geht um Graphen, einen hauchdünnen Kohlenstoff, dem durch seine extreme Leitfähigkeit zugetraut wird, eines Tages Silizium zu ersetzen und eine Revolution in der Elektronik auszulösen. Dadurch könnte die künftige Generation elektronischer Geräte schneller, kleiner und energieeffizienter werden. Aber auch in der Werkstofftechnik – Stichwort Nanotechnologie – könnte Graphen in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen. Es ist äußerst biegsam und thermisch wie mechanisch stabil. Rollt man diese Wunderfolie wie Papier zu Röhrchen, so ist es um ein vielfaches fester als Stahl! Graphen gilt als eine der Zutaten für das aufkommende Werkstoffzeitalter, dem man nachsagt, dass es das Zeitalter der Elektronik ablösen könnte.

 

Weil Graphen also Träume weckt, investiert die europäische Union in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro in die anwendungsorientierte Forschung; ein bislang einmalig hohes Budget für einen einzelnen Werkstoff. Viele große Unternehmen der Chemie- und Elektronik sind an dem Thema dran. Aber eben auch das Bayreuther Unternehmen FutureCarbon. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Fra-gen: wie verarbeitet man Graphen sinnvoll und noch besser, was lässt sich schon heute konkret dar-aus machen?

Lacke, die Räume beheizen 

Eine Handvoll junger Leute entwickelt zum Beispiel Lacke, die sich beispielsweise auf Wände oder Ti-sche aufstreichen lassen. Mit Hilfe einer niedrigen Spannung erzeugen diese Beschichtungen dann Wärme und können auf diese Weise Räume beheizen. Ähnlich könnte das Beheizen von Autos im Winter funktionieren. Das ist wichtig, wenn wir eines Tages Elektrofahrzeuge steuern werden, deren Batterien für Fortbewegung sorgen sollen und nicht für warme Luft im Innenraum. Polstermöbel könnten in Sekunden aufgeheizt werden. Windräder und die Tragflächen von Flugzeugen ließen sich im Winter vor Vereisung schützen. Und noch vieles mehr ist möglich.

Was wir in Deutschland brauchen, sind viele solche Start-ups. Junge Menschen mit Mut zum Wagnis. Und wir brauchen Kapitalgeber, die den spannenden Prozess bewerkstelligen, aus Visionen sinnvolle Innovationen entstehen zu lassen.

 

Zur Person

Dr. Heinrich von Pierer war viele Jahre Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratschef von Siemens. Er betreibt heute die Pierer Consulting GmbH in Erlangen. In dieser Tätigkeit berät er unter anderem die MIG AG in Mün-chen, eines der führenden Venture Capital Unternehmen in Deutschland.

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