Vortrag des Monats: Vom Spinnennetz zur HighTech-Faser – Stoff der Zukunft oder Spinnerei?

Die Neue Materialien Bayreuth GmbH und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Bayreuth luden am Dienstag, 01. Dezember, zum “Vortrag des Monats Dezember 2015“ ein. Unter dem Titel “Vom Spinnennetz zur HighTech-Faser: Stoff der Zukunft oder Spinnerei?” referierte Prof. Dr. Thomas Scheibel, Universität Bayreuth, Lehrstuhl Biomaterialien. 

Der Vortrag:
In der Natur gibt es unzählige Materialien, die die Einsatzmöglichkeiten von künstlich hergestellten Produkten weit übertreffen. Ein Beispiel, bei dem dies besonders deutlich wird, sind Spinnenseiden. Die von Spinnen in der freien Natur produzierten Seidenfasern sind einzigartig in Stabilität und Dehnbarkeit – ihre Zähigkeit ist drei bis fünfmal so hoch wie bei Kevlar, eine der stabilsten Kunstfasern.

In dem Vortrag wird gezeigt, wie Spinnenseidenproteine für produktspezifische Anwendungen biotechnologisch hergestellt werden. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Verarbeitung der Seidenproteine: Diese kann zu natur-identischen Fasern erfolgen, aber es gibt auch die Möglichkeit, Spinnenseiden als sog. Biotinten dreidimensional
zu drucken – ein Ansatz, der in der Geweberegeneration zum Einsatz kommt.

Der Referent:
Prof. Dr. Scheibel studierte Chemie an der Universität Regenburg und promovierte dort. Nach einer dreijähriger Tätigkeit als Postdoc an der Universität Chicago, seiner Habilitation im Fach Biochemie an der TU München, an der er auch als Privatdozent tätig war, folgte Prof. Scheibel 2007 dem Ruf an die Universität Bayreuth.

http://pegasus-electronique.com/map251 Der Referent erhielt mehrere Auszeichnungen für seine wissenschaftliche Arbeit, ist u. a. Mitbegründer und Beiratsvorsitzender der Fa. AMSilk GmbH, Beirat des Kompetenznetzes Biomimetik des Landes Baden-Württemberg und Sprecher des Fachausschusses „Bioinspirierte Materialien und Bionik“ der DGM. Prof. Scheibel gilt als einer der führenden Wissenschaftler bei der Entschlüsselung der Spinnenseide und der Herstellung dieses Materials mit biotechnologischen Methoden.