Unternehmerische Verantwortung erkennen und umsetzen


Enge Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung beim „Corporate Responsibility Index CRI 2013“:
Prof. Dr. Dr. Alexander Brink (li.) ist Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth und Ständiger Gastprofessor für Corporate Governance & Philosophy am Reinhard-Mohn-Institut der Privaten Universität Witten / Herdecke.

Dr. Anne Fries (re.) ist geschäftsführende Partnerin bei der concern GmbH in Köln, einem Spin-off des Philosophy & Economics-Studiengangs an der Universität Bayreuth.Sie ist Autorin verschiedener Publikationen zu Corporate Responsibility (CR).

Erste Benchmarking-Studie zum Corporate-Responsibility-Management von Unternehmen in Deutschland Knapp zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland sind überzeugt, dass gesellschaftlich verantwortliches Handeln eine hohe oder sogar eine sehr hohe Bedeutung für den Unter-nehmenserfolg hat. Allerdings unterscheidet sich die Qualität ihres Engagements sehr deutlich. Dies zeigt der „Corporate Responsibility Index CRI 2013“ der Bertelsmann Stiftung, der gemeinsam mit der Universität Bayreuth und der concern GmbH erstellt wurde. Die repräsentative Studie mit dem Kurznamen „CRI 2013“ gibt erstmals Aufschluss darüber, welche Faktoren ausschlaggebend sind, wenn gesellschaftlich verantwortliches Handeln erfolgreich im Unternehmen verankert wird. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurde unter dem Aspekt der unternehmerischen Verantwortung (CR) ein qualitätsorientiertes Benchmarking deutscher Unternehmen durchgeführt. 169 Unternehmen gaben detaillierte Auskünfte über ihre Aktivitäten in diesem Bereich und konnten so daraufhin bewertet wer-den, wie gut ihnen die Umsetzung unternehmerischer Verantwortung gelingt.

Im einzelnen zeigt sich eine erhebliche Spannbreite: Einige Unternehmen stehen mit einem ganzheitlichen Management von Unternehmensverantwortung noch am Anfang, andere erreichen Spitzenwerte. Die höchsten Werte im CRI 2013 insgesamt erzielte BMW. Das Unternehmen steht damit zugleich an der Spitze der Automobilhersteller, die sich an der Studie beteiligt haben. Die DZ Bank wiederum führt die Gruppe der Finanzdienstleister an. In der Gruppe der mittelständischen Unternehmen liegt die Lebensbaum – Ulrich Walter GmbH bei der Realisierung unternehmerischer Verantwortung ganz vorn. Bestes Familien-unternehmen ist in dieser Hinsicht die Phoenix Contact GmbH.
Es sind vor allem vier Faktoren, von denen eine erfolgreiche Umsetzung unternehmerischer Verantwortung abhängt: die Unterstützung durch das Top-Management, eine gelebte Wertekultur, die Integration von Unternehmensverantwortung in die Wertschöpfungskette und eine umfassende Erfolgskontrolle.

Unternehmen, in denen Maßnahmen zur Stärkung der Unternehmensverantwortung vom Vorstand unterstützt und gefördert werden, erzielen im CRI 2013 in allen wesentlichen As-pekten des CR-Managements bessere Ergebnisse. Im Bereich der Werteorientierung sind Familienunternehmen die Vorreiter: Wie aus der Studie hervorgeht, werden Werte hier signi-fikant besser gelebt, insbesondere von den Führungskräften. Sobald es darum geht, unter-nehmerische Verantwortung in allen Bereichen der Wertschöpfungskette umzusetzen, zeigt sich bei vielen Firmen allerdings noch ein erhebliches Verbesserungspotenzial: Nur knapp 40 Prozent der Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, integrieren CR-Aktivitäten in die Geschäftsprozesse. Zudem wird bei wichtigen, das Kerngeschäft betref-fenden Entscheidungen das Thema Unternehmensverantwortung nur unzureichend berück-sichtigt. Eine Ausnahme sind dabei die „CR-Champions“, also die zehn Prozent der Unter-nehmen mit den besten Werten im CR-Index. Sie alle haben, wie die Befragung zeigt, das strategische Potenzial von Unternehmensverantwortung erkannt. visit web page

„Auffällig ist, dass Corporate Responsibility in den Vergütungs- und Anreizsystemen von Unternehmen nicht zureichend berücksichtigt wird“, berichtet Prof. Dr. Dr. Alexander Brink, Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth. „Nur bei 15 Prozent der befragten Unternehmen richtet sich die Höhe der Gehälter von Vorstand und
Geschäftsführung auch danach, ob gesetzte Ziele im Bereich Unternehmensverantwortung erreicht wurden.“

Erhebliche Defizite gibt es nicht zuletzt auch bei der Erfolgskontrolle. Wie erfolgreich sind die Maßnahmen, die im Unternehmen auf den Weg gebracht werden, um unternehmerische Verantwortung zu stärken? Mehr als ein Drittel der Unternehmen, die an der Untersuchung teilgenommen haben, messen die Ergebnisse dieser Aktivitäten überhaupt nicht. „Dies liegt vermutlich auch daran, dass solche Messungen – gerade wenn sie ökonomische und sozi-ale Auswirkungen betreffen – nicht leicht zu realisieren sind und die Unternehmen vor be-sondere Herausforderungen stellen“, meint Prof. Brink, der seitens der Universität Bayreuth an der Studie mitgearbeitet hat.
Politischer Druck von Regierung oder Parteien veranlasst übrigens nur etwa jedes zehnte Unternehmen zu gesellschaftlich verantwortlichem Handeln. Auffällig ist zudem, dass ein regelmäßiger Kontakt zu wichtigen Stakeholder-Gruppen bei weitem nicht selbstverständlich ist. Nur rund 20 Prozent der Unternehmen stehen in einem regelmäßigen Austausch mit Repräsentanten aus Politik, Nichtregierungsorganisationen oder Non-Profit-Organisationen; nicht mehr als 26 Prozent von ihnen suchen den ständigen Dialog mit Medien und Öffent-lichkeit. Mit Kunden und Investoren pflegen 41 bzw. 43 Prozent der Unternehmen einen regelmäßigen Austausch. Bei diesen Ergebnissen ist allerdings zu berücksichtigen, dass diejenigen Unternehmen, die im CR-Index am besten abschneiden, deutlich aktiver mit ihren verschiedenen Stakeholder-Gruppen kommunizieren.

Weitere Informationen:
Die komplette Studie zum CRI Corporate Responsibility Index 2013 der Bertelsmann Stiftung ist online zugänglich unter www.bertelsmann-stiftung.de

Ansprechpartner:
Prof. Dr . Dr. Alexander Brink
Wirtschafts- und Unternehmensethik
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 4122
E-Mail: alexander.brink@uni-bayreuth.de

Hintergrund: see more

Der Corporate Responsibility Index CRI 2013 der Bertelsmann Stiftung ist die bisher um-fangreichste Studie zum CR-Management deutscher Unternehmen. Die Stichprobe umfasst sowohl Großunternehmen als auch mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen. Es handelt sich um die erste Studie, in der die relevanten Erfolgsfaktoren unternehmeri-scher Verantwortung systematisch untersucht werden. Mit dem CRI 2013 liegt daher ein Mess- und Steuerungsinstrument vor, das die Qualität der Umsetzung von Unternehmens-verantwortung abbildet. Die nächste Befragung wird im Herbst 2014 stattfinden. Die Studie entstand in enger Zusammenarbeit der Bertelsmann Stiftung mit Prof. Dr. Dr. Alexander Brink an der Universität Bayreuth (Philosophy & Economics) und Dr. Anne Fries bei der concern GmbH in Köln. Die concern GmbH ist eine auf Corporate Responsibility speziali-sierte Beratungsgesellschaft und ein Spin-off des Philosophy & Economics-Studiengangs an der Universität Bayreuth.

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Die Universität Bayreuth ist eine junge, forschungsorientierte Campus-Universität. Gründungsauftrag der 1975 eröffneten Universität ist die Förderung von interdisziplinärer Forschung und Lehre sowie die Entwicklung von Profil bildenden und Fächer übergreifen-den Schwerpunkten. Die Forschungsprogramme und Studienangebote decken die Natur- und Ingenieurwissenschaften, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Sprach-, Literatur und Kulturwissenschaften ab und werden beständig weiterentwickelt. Gute Betreuungsverhältnisse, hohe Leistungsstandards, Fächer übergreifende Ko- operationen und wissenschaftliche Exzellenz führen regelmäßig zu Spitzenplatzierungen in Rankings. Die Universität Bayreuth belegt 2014 im weltweiten Times Higher Education (THE)-Ranking ‚100 under 50‘ als eine von insgesamt sechs vertretenen deutschen Hochschulen eine Top-Platzierung.
Seit Jahren nehmen die Afrikastudien der Universität Bayreuth eine internationale Spitzenposition ein; die Bayreuther Internationale Graduiertenschule für Afrika-studien (BIGSAS) ist Teil der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Die Hochdruck- und Hochtemperaturforschung innerhalb des Bayerischen Geoinstituts genießt ebenfalls ein weltweit hohes Renommee. Die Polymerforschung ist Spit-zenreiter im Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Universität Bayreuth verfügt über ein dichtes Netz strategisch ausgewählter, inter-nationaler Hochschulpartnerschaften.
Derzeit sind an der Universität Bayreuth rund 13.000 Studierende in mehr als 100 verschiedenen Studiengängen an sechs Fakultäten immatrikuliert. Mit ca. 1.200 wissenschaftlichen Beschäftigten, davon 224 Professorinnen und Professoren,
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